In diesem Jahr organisierte unser Archiv in Kooperation mit der IniRromnja den „Romnja Power Month“. Wir haben für den Auftakt des Veranstaltungsmonats den Internationalen Tag der Frauen*, den 8. März gewählt und mit dem 8.April, dem Internationalen Tag der Roma geschlossen.
Unser Ziel mit dem Romnja Power Month war es den unterschiedlichen vielfältigen Stimmen von Romnja* eine angemessene Bühne zu geben. Dabei war unser Anspruch über die Auflösung von fest verankerten Stereotypen hinaus zu gehen und Romani Perspektiven mit ihren Wissen und Analysen ein breite Öffentlichkeit zu geben. erfuhren wie Romnja* Geschichte, Menschenrechte, ihre Erfahrungswelten und alltägliche politische Geschehen analysierten und verstanden.
Uns war es wichtig, diese von der gesamtgesellschaftlichen Diskussion oftmals ausgeschlossenen Auseinadersetzungen zu teilen, weil wir davon ausgehen, dass sie uns Neue und tiefere Blicke ermöglicht.

Romnja Power reloaded- Ein Rückblick auf politisches Engagement in den 1990ern und Gegenwartsperspektiven

Unsere Auftaktveranstaltung sollte, wie auch der Monat selbst eine Vielzahl von weiblichen Romani Perspektiven zeigen und besprechbar machen für ein größeres Publikum. In der Akademie des Jüdischen Museums durften wir zunächst Isidora Randjelović zuhören, die den Romnja* Power Month historisch und gesellschaftlich verortete. Daraufhin durften wir dem Vortrag von Fatima Hartmann, der schon 1995 auf der Romnja Frauenkonferenz mit dem Titel ‚Opre Romnja‘ vorgestellt wurde, erneut hören. Dieser Vortrag erzählte uns von den Klischees der kinderklauenden, dunklen Romni, die mit dem Teufel verbündet seiebsno wie von Romnja, die mit Ihren Schreiben und Wirken gegen ebendiese Bilder eintraten.
Auf der Podiumsdiskussion mit Fatima Hartmann, Journalistin und Erzieherin aus Köln, Marija Georgi vom International Women’s Space der Gerhart Hauptmann Schule aus Berlin Kreuzberg, Hasiba Dzemajlii, die Beratungsarbeit in Köln macht und Radmila Anic, die sich gerade mit viel Öffentlichkeitsarbeit gegen die eigene Abschiebung nach Serbien wehrt sowie Jane Schuch aus der IniRromnja als Moderatorin waren Frauen* zusammen gekommen, die uns vieles erzählen konnten. So hörten wir Geschichten über strukturellen Rassismus der Behörden, der verschiedene Gruppen bei der Räumung der Gerhart Hauptmann Schule gegeneinander aufspielte, sowie von Rassismus an Kölner Schulen, der schon die Kleinsten von uns schmerzlich ausgrenzte. Sie bewiesen aber auch ihren Mut und ihre Tatkraft, wenn sie anstatt klein bei zu geben die Kämpfe um die Anerkennung der rassistischen Verfolgung in Serbien zum Beispiel, aber auch um wichtige Plätze in der Gesellschaft selbstbewusst führten. Maria hinterfragte eindrucksvoll was der Rock, den sie trüge über sie aussagen würde und Hasiba erklärte, warum der Begriff Integration abzulehnen sei. Zuletzt rief das Bündnis Romano Jekhipe, welches den Hamburger Michel besetzt hatte, zur Solidarität mit Ihnen und ihrem Kampf um Bleiberecht auf. Bei einem gemeinsamen Buffet mit Sektempfang wurden noch viele Diskussionen weitergeführt.

Nizaquete Bislimi: Durch die Wand. Von der Asylbewerberin zur Rechtsanwältin.

Alle drei Buchvorstellungen des Buches Durch die Wand von Nizaquete Bislimi hinterließen einen bleibenden Eindruck beim Publikum. Nizaqete Bislimi schildert in ihrer Biographie sehr eindrucksvoll die 1990er Jahre und ihre Ankunft und das Leben und aufwachsen als geflüchtetes Kind in Deutschland. Heute arbeitet sie als Anwältin in der Asylrechtsberatung und engagiert sich als Vorsitzende des Bundesroma Verbandes politisch für Bleiberecht. Themen im Gespräch mit Hajdi Barz, sowie dem Publikum waren nicht nur das deutsche Asylrecht und seine Fallen, es ging auch viel um die Rolle von unterstützenden Strukturen um so existenziell schwierige Momente, wie ein Studium und einen ungeklärten Aufenthaltsstatus zusammen zu bringen. Frau Bislimi teilte viele intime Momente mit dem Publikum und beantwortete alle Fragen mit Ruhe und Gelassenheit. Besonders erfreulich war das Treffen der So Keres! Mädchengruppe mit Nizaquete beim Community Brunch, die Mädchen, die auch in dem Buch Erwähnung fanden, waren stolz und glücklich mit Niza später noch reden zu können. Die Buchvorstellungen waren sowohl traurig, als auch fröhlich und gab den Zuschauenden viele Gedanken mit auf den Weg.

Sabina Salimovska: Diskriminierungsfreie Bildung ist doch ein Kinderrecht!

Die Vorträge am folgenden Wochenende fanden in der Galerie Maifoto statt. Dort sprach Sabina Salimovska, Romani Mediatorin der RAA über Bildungsrechte und ihre Grundlage für die Bildung. Sie erzählte von ihrem Arbeitsalltag in der Abschiebungen große pädagogische und menschenrechtliche Probleme eröfneten. Sie erklärte, wieso nach den Menschenrechtskonventionen Bildung diskriminierungsfrei sein müsse und dass der Alltag dem leider überhaupt nicht entspreche, weil Lehrkräften die notwendigen Ressourcen nicht zur Verfügung ständen und auch Kinder bereits rassistische Sentiments hegten. Sie erklärte auch wie Abschiebungen große Einschnitte in vormals erfolgsversprechende Bildungsbiografien schnitt und teilte mit uns ihre Methoden und Ideen zum Abbau von Diskriminierung an Schulen.
Ilona Lagrenne: Die Bürgerrechtsarbeit ist nicht nur eine Frage der Zeit, sondern (auch) für Sinti und Romafrauen eine immerwährende Aufgabe. Bürgerrechtsarbeit im Spiegel von drei Generationen.
Ilona Lagrenne erzählte in einem ca. 1 ½ stündigen Vortrag, wie sie selbst, als Tochter von Überlebenden der faschistischen Verfolgung zur Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma kam. Sie beschrieb wie sie sich in der Arbeit als Vorsitzende des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg gegen rassistische Stereotypen wehrte und auch Lobby- und Sensibilisierungsarbeit leistete, die den Sinti und Roma beistand, die rassistische Ausgrenzung erfuhren. Frau Lagrenne erzählte von den Erfolgen in Bezug auf die Anerkennung der Verfolgung und in der Arbeit gegen rassistische Hetze.
Das Publikum bedankte sich bei ihr vielmals für die wunderbare Art zu sprechen, aber auch für das Zusammendenken der deutschen Geschichte mit der deutschen Gegenwart. Frau Randjelović bemerkte sogar, dass Ihre Geschichtserzählung essenziell sei, um die deutsche Geschichte zu verstehen.

Hajdi Barz: Passing anhand des Falles Maria: Zwischen ‚Mystery Girl‘ und ‚Blonde Angel

Hajdi Barz erklärte mit diskursiver Medienanalyse am Beispiel der tragischen Geschichte des Roma Mädchens Maria, welches im Oktober 2013 von Polizist_innen aus ihrem gewohnten Zuhause gerissen wurde, wie Maria gleichzeitig durch ihre blonden Haare und blauen Augen von Medien aus der Romani Community ausgeschlossen wurde und dann sogar instrumentalisert wurde, als Fetisch für whiteness um das rassistische Klischee der kinderklauenden Romni zu reproduzieren.
Dr. Jane Schuch: „Alle alles ganz zu lehren“ (Comenius 1657)? – Tradierte Konstruktionen der Bildungsfähigkeit (Bildsamkeit) von Sinti oder Roma
Dr. Jane Schuch beehrte uns mit ihrer Analyse über die tradierte Zuschreibung der Bildungsdistanz und das Thema der unterstellten Bildungsunfähigkeit von Sinte*zza und Rom*nja. Unter anderem anhand der Arbeiten der ‚Rasseforscherin‘ Eva Justin erläuterte sie historisch fundiert wie durch pseudowissenschaftliche Arbeiten rassistische Bilder über Romn*ja konstruiert wurden und erklärte, wie diese Arbeiten direkte Verfolgung nach sich zogen.

IniRromnja „Ich wende mich entschieden gegen Bevormundung“ Performative Lesung in Erinnerung an Melanie Spitta

Die Lesung der IniRromnja im Ballhaus war gut besucht und brachte das Wissen und die Erfahrungen Melanie Spittas zutage. Sie war eine Aktivistin und Sintizza, die sich aufgrund der eigenen Geschichte in ihrem Werk mit der Verfolgung und Nichtentschädigung sowie dem schmerzhaften Thema der spezifischen Verfolgung von Frauen befasste.
IniRromnja meets Generation Adefra
Im Gespräch zwischen der IniRromnja und der Generation Adefra kamen zwei sehr interessante Gruppen zusammen und bildeten ein wunderschönes Podium. Die Initiative, die von Schwarzen, lesbischen Frauen in den 1980ern gegründet wurde und die durch Aktionen gegen Gadjé-Rassismus bekannter gewordene Frauengruppe aus Romnja und Sintezza wurden von der charmanten Jocelyne Ntikahavuye, durch den Abend geführt. Sie sprachen über die Bedeutung von Empowerment für den politischen Struggle, für die Rolle der Frauen* und Frauen*organisationen in den Communities, sie erklärten, warum ‚safer spaces‘ auf vielen Ebenen für Menschen nicht real sind und wo es Überschneidungen und Solidaritäten zwischen den einzelnen Frauen oder den Communities am Tisch gibt und gab.

Jugendgruppe So Keres?: Romeo und Gadjiulia

Das wunderbare Stück über Romeo und Gadzulija, von der von Magdalena Lovric und Mirella Gialbati geleiteten Mädchengruppe des Jugendtheaters „So keres“ übte Kritik an sogenannten Roma-Experten, zeigte Konflikte in einer Beziehung aufgrund rassistischer Vorurteile und auch die Angst vor den bestehenden für Roma gefährlichen Verhältnissen . Die Mädchen setzen sich aktiv mit dem Romanipen, der Romani Geschichte auseinander und reflektieren den heutigen Rassismus und ihr eigenes Erleben im Rahmen und mit den Methoden des Theaters der Unterdrückten. Es war uns eine große Freude, diesen wichtigen Beitrag sehen zu können.

Anita Awosusi: „Vater Unser – eine Sinti Familie erzählt (1925-2010)“

Anita Awosusi, die 30 Jahre Bürgerrechtsarbeit hinter sich hat reflektiert in ihrem Buch: „Vater Unser-eine Sinti Familie erzählt (1925-2010) die historischen Ereignisse anhand der biographischen Erzählung über das Schicksal ihres Vaters, des Geigenbauers Hermann Weiß. Wir hatten die Möglichkeit in drei unterschiedlichen, aber stets berührenden Lesungen von ihrer Perspektive auf ihren Vater, die deutsche Geschichte, sowie ihrer eigenen Biografie traurige, solidarische und erfreuliche Momente hören zu dürfen.Sie äußerte ebenso ihre Befürchtungen, die sie aus ihrer Geschichte und der Geschichte ihrer Familie hatte, wenn sie die steigenden Zahlen bei Pegida oder auch die Wähler_innen der AfD sehe.Sie mahnte auch, wie wichtig es sei, dass sich Geschichte nicht wiederhole und berührte uns mit Geschichten der Ungerechtigkeit aber auch der Solidarität.

E Rromengo Trajo“, Internationaler Tag der Roma London 1971 – Berlin 2016

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Rroma Informations Centrum e.V.
Die Bedeutung des achten Aprilsl,dem internationalen Tag der Roma, in seiner Geschichte, aber auch in seiner heutigen Interpretation wurde breit diskutiert mit verschiedensten Akteur*innen aus dem Feld. Wir lernten von dem ersten Kongress 1971 bei dem Romn*ja sich aus verschiedenen europäischen Ländern international vereinigten, um ihre Verfolgung, die fehlende Entschädigungen, ihre Kultur und Sprache als Themen für ein internationales Romani Movement deklarierten, auch hörten wir von der Lobbyarbeit mit verschiedenen politischen Vertreter*innen, sowie von der Selbstorganisierung in Berlin, die zu Beginn noch eine nur von Roma geleitete Veranstaltung war.

„Wo wir sprechen können“

Dieses Podiumsgespräch war ein gemütlicher und tiefgreifender Abend für viele. Die Diskutierenden besprachen die Schwierigkeit gehört oder gesehen zu werden. Einige teilten bedeutsame Momente mit uns und erklärten ihre politischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Interventionen. Themen hier waren Rassismus, Heteronormativität, Sexismus und die verschiedenen Kämpfe dagegen.

Community Treffen mit Soraya Post

Dieses Treffen der Europaabgeordneten Soraya Post mit verschiedenen Romnja* aus Kunst, Politik und Privatleben war ein empowernder und schöner Moment, in dem wir verschiedene wichtige Inhalte teilen konnten. Wir sprachen sowohl über Frau Posts Geschichte, aber auch über ihre Ziele, Perspektiven und Anknüpfungspunkte mit uns. Es war interessant verschiedene politische Strategien zu besprechen, aber auch über den rassistischen Alltag sprechen zu können.
Romnja Power Month Abschlussparty
Zuletzt durften wir in einer großen, glücklichen Party am Internationalen Tag der Rom*nja ein Konzert von Tayo, die mit wundervollem Soul und Romane Gilja – Elementen das Publikum zum beben brachte. Mindj Panther performte spontan ein paar Lieder und Unsere D-Janes DREEA und Dj IPEK und die Schwestern Selimovic spielten hip hop sowie rumänische und ex-jugoslawische romane Melodien. Es wurde getanzt und diskutiert bis in den frühen Morgen und der Romnja Power Month fand demnach ein ihm würdigen Ausgang.

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