Melanie Spitta war eine wegbereitende Filmemacherin und Akteurin der Sinte*zza und Rrom*nja Bewegung. Sie ist 1946 in Belgien geboren und 2005 in Frankfurt am Main verstorben.

In ihren Filmen und Texten beschäftigte sie sich mit dem nationalsozialistischen Genozid an Rrom*nja und Sint*ezza sowie mit der fehlenden Anerkennung und Entschädigung nach 1945. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathrin Seybold drehte sie vier Dokumentarfilme.

Sie drehten 1980 „ Schimpft uns nicht Zigeuner“, „Es ging Tag und Nacht, liebes Kind“ 1981 sowie „Das falsche Wort“ 1987. Beide letzte Dokumentationen lassen Zeitzeug*innen über die Verfolgung und Nichtgewährung der Entschädigung zu Wort kommen.

In allen ihren Filmen geben Melanie Spitta und Kathrin Seybold den Menschen und deren Zeugenschaft großen und seltenen Raum. Melanie Spitta ist in ihren Werken grundsätzlich sehr positioniert, sowohl in den Filmkommentaren als auch in ihren filmischen Entscheidungen.

Sie setzte sich darüber hinaus als Bürgerrechtlerin mit Erinnerungspolitiken, mit Rassismus und Sexismus in der Bundesrepublik nach dem Pharrajimos oder Manushengro Murdaripen bis in die 1990er Jahren auseinander. Mit Schärfe und Feingefühl zeigte sie in ihren Filmen: „Schimpft uns nicht Zigeuner“ und „Wir sind Sintikinder und keine Zigeuner“ den alltäglichen Rassismus gegen Sinte*zza und Rom*nja.

Ebenso thematisierte sie in ihren Stellungnahmen und Zeitungsinterviews Facetten des Rassismus in den Schulen und in der sozialen Arbeit.

Ihre Analysen und ihre Stimme wirken fort.

 

“Die ganzen Jahre habe ich versucht, mit Deutlichkeit und Schärfe auf die Benachteiligung, die Diskriminierung und die Verbrechen an uns Sinte aufmerksam zu machen. Für die braungefärbten bin ich eine aufsäßige Unruhestifterin, weil ich an der Wahrheit festhalte und von den Wohlwollenden erhalte ich herablassendes Lob. In ihren Augen kann ich lesen, dass sie einer Zigeunerin nichts zutrauen. In den Köpfen fast aller sitzt das Bild von der ungebildeten, Dummen fest. Diese Überheblichkeit, das süffisante Lächeln begenet mir fast ohne Ausnahme bei vielen Wissenschaftlern: bei Historikern, Anthropologen, Sprachwissenschaftlern, Soziologen und besonders bei Sozialarbeitern. Die Zigeunerin, die widerspenstig ist, erfährt keine Unterstützung. Einfacher ist es für die Schaar der Besserwisser, Zigeuner zu finden, die nicht widersprechen und genügsam scheinen. Das wir uns auf diese Weise entziehen, nehmen sie noch nicht einmal war.” (Spitta, 1999)

 

Ihr filmisches Werk :

„ Schimpft uns nicht Zigeuner“ 1980

„Wir sind Sintikinder und keine Zigeuner“ 1981

„Es ging Tag und Nacht, liebes Kind“ 1981

„Das falsche Wort“ 1987

 

 

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