Romani
Phen
Archiv

Das Archiv RomaniPhen versteht sich als ein politisches Projekt, welches antirassistische und feministische Rom*nja Bewegungen ebenso wie die Arbeit oder Biografien von Einzelpersonen dokumentiert. Darüber hinaus begibt sich RomaniPhen in aktive Deutung und aktuell politische Auseinandersetzung der gesammelten Wissensbestände. Nicht die Sammlung der Geschichte allein ist uns wichtig, sondern ihre aktuellen Auslegungen und Sinngebungen durch Rom*nja innerhalb eines selbstorganisierten und gesellschaftskritischen Rahmens.

Der Titel RomaniPhen ist von zwei Bedeutungen abgeleitet: von der RomaniSchwestersowie von der Kultur/Sprache/Geschichteder Roma*. Der im Titel enthaltene Kulturbegriff richtet sich keinesfalls auf die Erhaltung und weitere Tradierung von jedwedem Brauchtum. Es geht uns vielmehr um die vielfältigen Kulturen des Widerstandes, des Überlebens, der Gesellschaftsdeutung, der historischen Zeugenschaften und Analysen sowie der gesellschaftlichen Partizipation von Rom*nja.

Ein eigenes romani Archiv ist erforderlich, weil die Geschichte(n) von Rom*nja öffentlich entweder rassistisch verallgemeinert oder gar nicht erzählt werden.

Seit Jahrhunderten herrschen in ihrer Zeit immer wieder modifizierte und aktualisierte Diskurse über Rom*nja als homogenes Kollektiv von unangepassten Kriminellen, die freiwillig außerhalb der Gesellschaft stünden. Komplexe, widersprüchliche, heldenhafte oder zumindest normale romani Erzählungen und einzelne Biographien scheinen keinen bzw. kaum Platz in den Archiven und Bücherregalen der Geschichte zu finden.

Diese Lücken haben uns als Teil der Rromnja und Sintezza Fraueninitiative IniRromnja dazu bewogen, in Berlin ein bundesweites, feministisches Rom*nja Archiv und eine Bibliothek aufzubauen. Die Idee für das Archiv entstand aus den geschilderten Erfahrungen von spezifischen Diskriminierungen von Rom*nja im Schnittpunkt von race und gender, die zur symbolischen Rassifzierung als Carmenund damit zur weitgehenden Marginalisierung von komplexen und pluralen Selbstrepräsentationen führt.

Das Nichtvorhandensein von Rom*nja als Wissenschaftlerinnen, Handwerkerinnen, Künstlerinnen, gesellschaftlich Engagierten, politisch Aktiven und komplexen Persönlichkeiten in öffentlichen Bildern und Diskursen entspricht den zeitlich eingefrorenen, homogenen und diskriminierenden Darstellungen in historischer Kontinuität, die allerdings sehr konkrete materielle Folgen für Rom*nja nach sich ziehen.

Das Archiv versteht sich als explizit politischer Raum und interessiert sich für Wissen, welches hegemoniale Konstruktionen zu erschüttern vermag und widerständiges bzw. kritisches Wissen von Rom*nja vorantreiben kann. Das Archiv entsteht unter der Deutungsmacht der Rromnja Mitarbeiterinnen mit der Aufgabe, verschüttete, im öffentlichen Diskurs nicht erzählte Geschichten in detaillierter Recherche auszugraben, und damit den Reichtum des Romanipen und die Beteiligung der Phen (Schwester) offenzulegen und wertzuschätzen. Für die Archivarbeit ist es einerseits erforderlich Wissen freizulegen, und andererseits gilt es, bereits bekanntes Wissen aus Rom*nja Perspektiven darzustellen.

In dem Archiv sammeln wir Geschichten und Biographien sowie Textproduktionen von Rom*nja als historische Figuren, als kreative Gestalterinnen, als Bürgerrechtlerinnen, als Kunst und Kulturproduzentinnen, als Wissenschaftlerinnen, als Persönlichkeiten, die an der Gesellschaft partizipieren.

Wir stellen keine „Roma-Kultur“ dar, sondern kulturelle und politische Praxen in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen.

Das Material präsentieren wir mithilfe verschiedener kultureller bzw. künstlerischer und wissenschaftlicher Methoden, um den Raum für möglichst viele Menschen zu öffnen und dem ausschließenden Charakter von Archiven und Bibliotheken als exklusiven Orten zu begegnen.

Das Archiv richtet sich nicht nur an diejenigen, die direkt das Archiv nutzen, sondern will auch durch die Verbreitung von Errungenschaften und Gedanken unserer Menschen vor allem eine Kultur der Selbstwertschätzung, des Stolzes, der Liebe und „Awareness innerhalb der unterschiedlichen Communities mit befördern.

Wir richten uns mit unserer Arbeit aber auch an alle anderen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, um Vorurteile durch differenzierte Aufklärung der Öffentlichkeit über Geschichte und Gegenwart von Roma und Sinti mit einem Schwerpunkt auf Romnja und Sintezza abzubauen.

Ebenso erarbeiten wir und stellen pädagogischen Fachkräften diskriminierungskritisches und didaktisch aufbereitetes Material und Methoden für ihre Arbeit v.a. in der politischen Bildung zur Verfügung.

Wir veröffentlichten den Romnja* Power Jahreskalender, Bildungsmaterialien und organisieren gemeinsam mit der IniRromnja den Romnja* Power Month.

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