Der Eurozentrismus lässt die Kolonialisierung als notwendiges Übel erscheinen, als den Preis für den Triumph der westlichen Zivilisation. Die „Entdeckung Amerikas" wird dadurch als Meilenstein des menschlichen Fortschritts dargestellt. Für indigene Bewegungen ist der Kolonialismus jedoch keine überwundene Epoche, sondern eine gegenwärtige Realität, die sich zwar verändert, aber gewaltvoll fortbesteht und bis heute die ungleichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse weltweit bestimmt.
Ein Beispiel dafür ist das indigene Mapuche Territorium, Wallmapu. Es liegt in dem Gebiet, das heute als den Süden Argentiniens und Chiles bekannt ist. Über die Beziehung zwischen diesen Ländern und Deutschland ist bekannt, dass sich nach 1945 NS-Täter dort niederließen, um einem Gerichtsverfahren zu entgehen. Weniger bekannt ist: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Wallmapu weitgehend souverän und hatte der spanischen Kolonisierung erfolgreich widerstanden. Genau dann besetzten Chile und Argentinien das Mapuche Territorium endgültig mit aktiver Beteiligung deutscher Siedler*innen. Somit hatte der deutsche koloniale Rassismus bereits vor der NS-Zeit seine Grundlagen in Wallmapu gelegt.
Der Vortrag behandelt diese Hintergründe sowie die Verschränkungen zwischen rassitischer Wissensproduktion und kolonialer Gewalt. Zudem wird einen Kurzdokumentarfilm gezeigt, der die Plünderung von Mapuche Gräbern thematisiert. Die geraubten Schädel wurden nach Berlin gebracht, um sie hier rassistischen Studien zu unterziehen.
Tamara Liencura Carrimán engagiert sich seit ihrer Jugend in selbstorganisierten Initiativen in den Bereichen Hip-Hop-Kultur, Medienaktivismus, Mapuche Politik, Migration und feministischen Betriebe. Im Jahr 2024 schloss sie ihr Masterstudium in Soziale Arbeit, Kritische Diversität und Community Studies ab.
