Romnja Power

RomaniPhen e.V.
Verein von Romnja* und Sintezzi*

Aktuelles

Bundes Roma Verband e.V.
Am Leinekanal 4
37073 Göttingen
T: 0551 – 388 7633

mail@bundesromaverband.de

www.bundesromaverband.de

Zur Flucht ukrainischer Roma und unsere Forderung nach Bleiberecht – aus aktuellen und historischen Gründen

Die Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine und die flexible Bereitstellung von notwendigen Ressourcen ist beispiellos. So soll es sein – und zwar für alle! Doch Rassismus als strukturelle Gewalt wirkt in jeder Situation. In Zeiten der Flucht hat diese Gewalt existenzielle Folgen. So wie in Staaten wird auch an Grenzen mit Menschen unterschiedlich umgegangen. An der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden im letzten Winter Menschen derart blockiert, dass einige erfroren. Diese Flüchtenden sind in Europa nicht willkommen. Auch in den vergangenen Tagen mehren sich Berichte, nach denen Schwarze und Menschen of Colour an der Weiterreise gehindert werden und keine Unterkünfte bekommen.

Insbesondere Rom:nja aus Ex-Jugoslawien können sich an die Kriege und die Vertreibungen erinnern, bei denen Roma Geflüchtete zweiter Klasse wurden. Schon auf der Flucht mit Rassismus konfrontiert, ging dieser in Deutschland weiter. Bei Übersetzungen der Asylanträge, in Beratungsstellen oder auch in Unterkünften wurden und werden Rom:nja von Angehörigen der hiesigen, aber auch von Angehörigen der Exil-Mehrheitsgesellschaften diskriminiert.

Aus der Ukraine flüchten aktuell auch Romnja und Roma und wir befürchten, dass ihnen die gleichen Bedingungen wie den Geflüchteten aus Ex-Jugoslawien bevorstehen. Denn auch die Situation der Roma und Romnja aus der Ukraine ist historisch durch Verfolgung, einen Genozid und gegenwärtig durch massiven Rassismus und zum Teil Prekarisierung über Generationen geprägt.

Während des Nationalsozialismus ermordete die deutsche Sicherheitspolizei unterstützt durch die einheimische Hilfspolizei einen Großteil der ukrainischen Roma und Romnja. Gegenwärtig sind trotz schlechter Forschungslage über 50 Massenerschießungs-Orte bekannt. Letztlich verloren mindestens 12.000 Roma und Romnja das Leben unter der deutschen Besatzungsmacht. Die Erinnerung an diesen an Roma und Romnja begangenen Genozid in der Ukraine wird hauptsächlich von Romnja und Roma sowie internationalen NGOs getragen. Der gesellschaftlich bis heute tradierte Rassismus führt regelmäßig zur Relativierung des Völkermords.

Roma und Romnja sind laut einem ERRC Bericht von 2018 die größte undokumentierte Gruppe in der Ukraine. Fehlende Dokumente sind die Hauptursache für die Staatenlosigkeit von Romnja und Roma. Die meisten haben gesetzlich den Anspruch auf die ukrainische Staatsangehörigkeit, können dieses Recht aber ohne Dokumente nicht durchsetzen. Diese Staatenlosigkeit vererben sie an ihre Kinder, so dass seit Jahrzehnten ein Kreislauf transgenerationeller struktureller Diskriminierung fortgeführt wird.

Bereits bis 2015 flohen 10 000 Roma und Romnja in der Ukraine wegen der andauernden Auseinandersetzungen im Ostteil in andere Gebiete des Landes. In Krisen- und Vorkriegssituationen bekommen Minderheitenangehörige die Not und die Folgen eines eskalierten Nationalismus als erstes zu spüren.

2016: In der Region Odessa wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Ein 21-jähriger Rom wird verdächtigt, sie vergewaltigt und umgebracht zu haben. Ausreichende Ermittlungen gibt es nicht, und der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Trotzdem wollen Dorfbewohner:innen an den Roma und Romnja Rache üben. Hunderte Bewohner:innen fordern Autoritäten auf, sofort alle Romnja und Roma aus dem Dorf zu vertreiben. Videos zeigen, wie die Bewohner:innen Fenster mit Steinen einschlagen, ein Haus geht in Flammen auf. Nach Informationen der Minority Rights Group (MRG) unternahm die Polizei nichts, um die Angreifer:innen zu stoppen. Lediglich gab sie bekannt, am Folgetag einen „sicheren Korridor“ für die Roma und Romnja einrichten zu wollen, damit diese das Dorf verlassen könnten. Die Roma und Romnja jedoch flüchteten bereits in der Nacht zuvor, um dem Mob zu entkommen.

2018 gab es in der Ukraine mindestens sechs rechte / rassistische Pogrome gegen Roma und Romnja, die auch Todesopfer forderten. Mitglieder rechtsterroristischer Gruppen bildeten unheilvolle Allianzen mit rassistischen Jugendlichen. Mit wenigen anderen protestierten wir international vor den ukrainischen Botschaften, riefen die Politik zu entschiedenem Handeln auf, fanden jedoch kein Gehör. Die ukrainischen Romnja und Roma mussten fliehen.

Hinter diesen Pogromen steckt die Idee ethnisch homogener Gebiete. Im Kosovo hatte 1999 diese Idee die Vertreibung und massive Verbrechen gegen Roma und Romnja zur Folge. 

Unter den Flüchtenden aus der Ukraine sind auch viele Romnja und ihre Kinder. Da wehrfähige Männer nicht ausreisen dürfen, trennen sich Familien. Aber allen, die ausreisen wollen, muss die Ausreise gewährt werden! 20 Prozent der ukrainischen Roma und Romnja sind staatenlos, haben also keine Reisepässe – dies darf der Ausreise und Aufnahme in andere Staaten nicht im Wege stehen.

Mit dem transnationalen Netzwerk Afrique-Europe Interact treten wir ein für das unbeschränkte Recht auf Flucht für alle, die aus Kriegsgebieten flüchten, ohne Ansehen von Staatsangehörigkeit, Reisepass und Aufenthaltstitel, und gegen jede Form rassistischer Aussonderung und Benachteiligung von Kriegsgeflüchteten.

Wir fordern von der Ukraine: Lasst alle Menschen ungehindert ausreisen, die vor dem Krieg fliehen! Keine rassistische Benachteiligung bei der Verteilung von Plätzen in Zügen und anderen Verkehrsmitteln!

Wir fordern von den Nachbarländern der Ukraine: Lasst alle Flüchtenden aus der Ukraine ungehindert ein- und weiterreisen, ohne Unterscheidung nach Pässen, Visa und Aufenthaltstiteln! 

Wir rufen vor allem alle diejenigen, die sich in solidarischen Unterstützungsstrukturen für Flüchtende aus der Ukraine engagieren, auf: Unterstützt gezielt auch alle diejenigen bei der Ein- und Weiterreise, denen rassistischer Ausschluss droht!

Wir brauchen sprachkundige und rassismussensible Beratung für geflüchtete Romnja und Roma aus der Ukraine und die Einbeziehung der migrantischen Roma-Selbstorganisationen, um die Menschen angemessen beraten zu können. Unserer Erfahrung nach gibt es zu wenig Anlaufstellen für Minderheitenangehörige, deren Ausgangslage aufgrund rassistischer Diskriminierungen im Herkunftsstaat, auf der Flucht sowie bei und nach der Ankunft komplexer ist.

Bundes Roma Verband e.V. unterstützt durch:

RomaniPhen e.V.

Rroma Informationszentrum e.V.

Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin- Brandenburg

Stellungnahme als PDF

FEMINISMEN OF COLOR ANGESICHTS RECHTEN TERRORS – ZUSAMMEN EMPOWERN!

Eine intersektionale Tagung für Women* of Color

Deutschland gehört in Europa zu den Ländern mit den häufigsten Vorfällen rechter Gewalt. Die Taten von Hanau, Halle, und das Bekanntwerden der NSU-Morde haben die Realitäten von Menschen of Color in Deutschland verändert. Der Widerstand, die Strategien und das Wissen von Women of Color werden jedoch in der Öffentlichkeit kaum gesehen. 

Unsere Konferenz soll das verändern: Wir bringen Women of Color zusammen, um die Bedrohung durch Rechtsterrorismus und Rassismus zu diskutieren, uns gemeinsam zu vernetzen und zu organisieren. So werden Lebensrealitäten, Allianzen, Bündnisse und Strategien in der antirassistischen Arbeit sichtbar gemacht und gestärkt. 

Seien Sie/Sei du dabei!

Am 19.11.-21.11. in Berlin oder per Livestream auf Facebook und auf unserem YouTube-Kanal „Romnja Power“ am 19.11. von 18-20 Uhr und 21.11. von 12-16 Uhr!

Für eine persönliche Teilnahme bitten wir um Anmeldung unter: nadine.michollek@romaniphen.de 

Wir freuen uns auf Sie/Dich!

Das Tagungsprogramm findet sich hier!

Die Konferenz findet unter Beachtung der aktuellen Hygienebestimmungen unter der 2G+ Regelung in Berlin statt. 

Der Podcast der Mädchengruppe ist online. Es sind schon einige Podcast zu Themen wie Hanau, Rassismus in der Schule und weitere online.

Hören Sie/hört gerne rein!

 

Danke für einen tollen Romnja: Power Month 2021

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und Kooperationspartner:innen für einen erfolgreichen Romnja: Power Month 2021!
Es war auch dieses Jahr, trotz der herausfordernden Situation, wieder ein toller Veranstaltungsmonat.
 
Auf unserem YouTube Kanal Romnja Power können alle öffentlichen Veranstaltungen nachgesehen werden.  
 
 
Aven Saste! Opre Rom:nja!
 
 

Den diesjährigen Romnja: Power Month widmeten wir einer besonderen Frau:

in memoriam

Alfreda Noncia Markowska

 

RomaniPhen unterstützt den Berliner Demokratietag

am 15. September 2020 

Unter dem Motto “Berlin. Macht. Demokratie.” richtet wir, der Migrationsrat Berlin in Kooperation mit der Initiative Offene Gesellschaft und gefördert durch die Senatskanzlei den diesjährigen Demokratietag aus. In verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen um diesen Tag herum wird die Berliner Stadtgesellschaft eingeladen, Möglichkeiten und Hindernisse demokratischer Teilhabe unter die Lupe zu nehmen.

Mehr dazu unter https://www.demokratietag.berlin 

 
11.09.2020   von 18:00 – 20:00
Polizei und Rom*nja und Sinti*zze – ein Community-Austausch
 

Gegenwärtig wird in Deutschland viel über Polizeigewalt gesprochen. Eine historische und rassismuskritische Verortung für den deutschen Kontext findet jedoch nicht statt.
Rom*nja und Sinti*zze erleben als Gruppe(n) und als Individuen verschiedene Formen von Polizeigewalt. Zum einen gibt es die seit Jahrhunderten bestehenden Formen der polizeilichen Erfassung und Razzien unter kollektivierenden Bezeichnungen wie „Landfahrer“, „mobile ethnische Einheit“ oder heute „rumänisch-bulgarisch“. Zum anderen erleben Rom*nja und Sinti*zze individuelle Verfolgung im Rahmen von Racial Profiling an den Grenzen, an „kriminalitätsbelasteten“ Orten und im Alltag allgemein.
Gleichzeitig gibt es kaum Räume, sich über solche Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, wie sie sichtbar gemacht und in die öffentliche Debatte getragen werden können. In der Veranstaltung möchten wir die individuellen Erfahrungen besprechbar machen und in einen größeren gesellschaftlichen Rahmen verorten. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Ini Romnja statt und ist nur für Rom*nja und Sinti*zze offen, die Polizeigewalt erlebt haben und in Austausch dazu gehen wollen.

Organisation: RomaniPhen e.V.

Anmeldung unter info [at] romnja-power.de

Diese Veranstaltung findet in direkter Kooperation mit dem Migrationsrat Berlin e.V. statt.

Protestaktion wurde über einen Live Stream übertragen und ist hier weiterhin abrufbar. 

 

Protestaktion für das Denkmal der ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin am 13.06.2020

Artikel aus der Tagespresse:

Neuerscheinung!!!
Ein großartiges Buch von zwei Frauen aus der IniRromnja ist da!
Dr. Elizabeta Jonuz und Dr. Jane Weiß: (Un-)Sichtbare Erfolge. Bildungswege von Romnja und Sintize in Deutschland

„Mit diesem Buch laden Jonuz und Weiß zu einem radikalen Perspektivenwechsel ein. Sie befragten erfolgreiche Frauen aus den heterogenen Sinti-und-Roma-Communities in Deutschland zu ihren Bildungs- und Berufswegen. Die biographisch-narrativen Selbstzeugnisse der Sintizza und Romnja bieten in der analytischen Aufbereitung beeindruckende Einblicke in die gesellschaftliche Wirkmacht, Beharrungskraft und Mechanismen tradierter Diskriminierungen. Doch die Befragten verweigern sich einer Verortung in Klischees und tradierten Strukturen der Dominanzgesellschaft, entwickeln Widerstand und erfolgreiche Strategien der Bewältigung. Ein wirksamer (Schutz-)Raum sind dabei die Familien hinsichtlich der Bestärkung des Bildungs- und Aufstiegsbegehrens ihrer Töchter. Hingegen sind die Räume der zertifizierten Bildung und beruflichen Etablierung für alle Befragten Risiko-Orte, in denen diskriminierende, rassifizierende und sexistische Strukturen vorherrschen. Ein weiterer Schutzraum wird der Erfolg selbst, denn erworbene Bildung, berufliche Etablierung und die damit verbundene sozialstrukturelle Anerkennung ermöglichen den Biographinnen eine selbst-bestimmte Positionierung mit ihren Mehrfachzugehörigkeiten als Romni, Sintizza, Wissenschaftlerin, politische Aktivistin, Berufstätige, Mutter, Künstlerin und Mensch.“

Film – „Ein Tag in Romani Chajis Leben“

Ein Film der Mädchengruppe Romani Chaji von RomaniPhen e.V. Am 17.9.2019 feierte der Film „Ein Tag in Romani Chajis Leben“ seine Premiere im Kino Moviemento in Berlin-Kreuzberg. Produziert wurde der Film von der Mädchengrupppe Romani Chaji. Die Mädchen im Alter von 12-18 Jahren arbeiteten gemeinsam an diesem Projekt. Im Zeitraum von Januar 2018 Januar bis August 2019 traf sich die Mädchengruppe des feministischen Archivs RomaniPhen, regelmäßig unter der Leitung von Éva Ádám, Estera Iordan und Gabi Zekić an diesem Projekt.

Im Film spricht die Hauptfigur Romani Chaji über ihre Auseinandersetzungen mit Diskriminierungen gegen Rom*nja.

Dieses Projekt wird gefördert durch die Stiftung evz und das Bundesprogramm Demokratie Leben!.

Filmsprache: Deutsch

Filmlänge: 12 Minuten

Eine barrierefreie Version ist in Bearbeitung

Wie Sinti und Roma in Deutschland gegen Rassismus kämpfen

Video Beitrag von Poliana Baumgarten für ze.tt